r The Piano Tuner
Daniel Roher, Canada, USA, 2026o
Niki is an excellent piano tuner thanks to his hypersensitivity to sound. This not only grabs the attention of student Ruthie but also that of three criminals who want to misuse his skills to crack mechanical combination locks.
Ein sympathisches Knautschgesicht und präzis dosiertes ironisches Understatement bei beachtlicher Wandelbarkeit: Der 30jährige Brite Leo Woodall, charismatischer Nebendarsteller jüngst in Nuremberg, war im doppelten Sinn längst reif für eine Hauptrolle. Nach der Serie One Day hat er diese mit The Piano Tuner nun in einem richtig guten Film bekommen. Woodall gibt den lakonischen Klavierstimmer Niki, dessen übersensibles Gehör ihm die Pianistenkarriere vermasselt hat, dafür eine unverhoffte Chance eröffnet, als er in der Villa eines Klienten auf eine zwielichtige Security-Truppe trifft. Die von Fauda-Star Lior Raz angeführten mittelschweren Jungs können einen wie Niki brauchen, der Safeschlösser mit blossem Hinhören zu knacken weiss. Niki lässt sich auf das kriminelle Spiel ein, als sein Chef und Vaterersatz einen Schlaganfall erleidet und Niki Geld für dessen Firma und Spitalpflege braucht. Gleichzeitig allerdings verliebt sich der verhinderte Musiker in eine Nachwuchskomponistin mit traumhaftem Talent und Gesicht ... Klingt konstruiert? Ist es auch, wie alle Heist- oder Gaunerfilme auf der Grenze von Komödie und Thriller. Doch geschrieben, gefilmt, geschnitten und vertont ist das vom Team um den Co-Szenaristen und Regisseur Daniel Roher, den man erst vom oscarprämierten Dokumentarfilm Navalny kannte, mit einem Dialog- und Musikgehör, dass man sich glatt in die melancholischen 70er-Jahre-Krimis eines Pollack, Lumet oder Pakula versetzt glaubt: Jazz als Stilvorgabe, Taktgeber und Lebensgefühl. Natürlich spielt Tuner, so der knappe Originaltitel des Films, nicht ganz in dieser Liga – hierfür fehlt es nach einem fabelhaften ersten Akt im zweiten an dramaturgischem Drive, im dritten vielleicht an der Erfahrung, um die Balance zwischen Gefahr, Gewalt und Komik durchgehend zu halten. Doch ein sehr vergnüglicher Unterhaltungsfilm bleibt Tuner allemal, überdies wohl eine der letzten Chancen, einen der ganz Grossen der siebziger Jahre nochmals in einer tollen Nebenrolle zu sehen: Dustin Hoffman gibt, herrlich trocken und kontrolliert, Nikis Chef, der das Geburtsdatum des Trompeters Dizzy Gillespie besser kennt als seinen eigenen Hochzeitstag. Play it again, Marathon Man!
Andreas FurlerGalleryo
