r Extrawurst
Marcus H. Rosenmüller, Germany, 2026o
At a tennis club in rural Germany, preparations for the summer party are led by Heribert. When a separate grill is suggested for Erol, the club's only Muslim member, tensions flare. What begins as a simple discussion quickly turns into a debate about societal and personal conflicts, threatening to tear the club apart.
Die Komödie Extrawurst avancierte nach ihrer Uraufführung im Jahr 2019 schnell zu einem der meistgespielten deutschen Bühnenstücke. Kein Wunder: Treffsicher, doch niemals destruktiv karikiert sie die Debatte über die gebührende Rücksicht auf ethnische und religiöse Minderheiten, die in Deutschland mit der sprichwörtlichen Gründlichkeit geführt wird. Für die Verfilmung nun konnten die deutschen TV-Comedy-Schwergewichte Hape Kerkeling und Christoph Maria Horst gewonnen werden, und beide agieren mit sichtlichem Vergnügen: Kerkeling gibt den Präsidenten eines Tennisclubs, Horst das Anhängsel einer tennisverrückten Frau, die dem Vorsitzenden bei der Generalversammlung einen folgenschweren Vorschlag macht: Aus Rücksicht auf das einzige muslimische Clubmitglied, Erol, solle beim Grillfest auf Schweinsbratwürste verzichtet oder aber eine Spezialwurst vorgesehen werden. Die Pointe dabei: Erol selbst ist der Antrag nur peinlich, ihm käme derlei nie in den Sinn. Doch einmal angeschoben, steigert sich die Debatte prompt von der Extrawurst zum Extragrill und damit zur kontrollierten Eskalation der GV. Das komödiantisch Gelungene ist dabei, dass letztere kaum je zur Klamotte verkommt, weil der Regisseur seine Zugpferde im Griff hat: Köstlich, wie Kerkeling als klassischer Vereinsmeier um seine Haltung und Autorität ringt, wenn er die Ad-hoc-Sitzung des Grillausschusses vom Clublokal in die Tennishalle verlegt. Herrlich, wie Horst als konfliktscheuer Mitläufer zwischen seiner eifrigen Frau, dem pikierten Aktuar und dem zwangsbeglückten Erol laviert und gerade deshalb ständig in Fettnäpfchen tritt. Leicht nervig nöchstens Milan Peschel als missmutiger Platzwart, dessen reparaturbedürftige Ballmaschine absehbar querschlägt. Alles in allem: ein konsequent ungewichtiger Beitrag zur gewichtigen Debatte über politisch korrekte Umgangsformen. Das ist das Schöne daran.
Kerstin Blank
